Vor dem modernen Menschen: Der Homo erectus

Betra­chtet man den Stamm­baum des Men­schen dann stellt der Homo erec­tus die let­zte Entwick­lungsstufe vor dem mod­er­nen Men­schen (Homo sapi­ens) dar zu welchem auch der Nean­der­taler gerech­net wird. Er besaß die entschei­dende Eigen­schaft sich an nahezu jedes Klima und Gelände anzu­passen und dort auch zu über­leben. Mit dieser Strate­gie über­dauerte die Gat­tung ins­ge­samt fast 2 Mil­lio­nen Jahre. Diese Anpas­sungs­fähigkeit ist einer der wichtig­sten Gründe, warum wir (Homo sapi­ens sapi­ens) heute den gesamten Erd­ball bevölk­ern. Das genaue Geburts­da­tum des ersten Homo sapi­ens wird wohl immer ein Geheim­nis bleiben. Es kann jedoch als gesichert gel­ten, dass die Vorgänger­spezies, der Homo erec­tus, bere­its über eine Mil­lio­nen Jahre existierte als der erste Homo sapi­ens geboren wurde.

Die Ent­deck­ung von Homo erec­tus geht auf den aus den Nieder­lan­den stam­mende Mil­itärarzt Eugene Dubois zurück, welcher 1891 an einem Ufer­streifen des Soloflusses im Osten von Java ein Fos­sil ent­deckte und das zunächst als Anthro­popite­cus erec­tus ein­ge­ord­net wurde. Es war der bis dato erste Fund eines Hominiden ausser­halb von Europa. Rund fün­fzig Jahre danach wurde in der Nähe von Peking ein Skelett ent­deckt, welches man später der sel­ben Gat­tung zuord­nen konnte.

Die frühesten Funde Europas liegen bei Heidelberg

Die derzeit ältesten Funde vom Homo Erec­tus in Europa wer­den auf einen Zeitraum von etwa 650 000 Jahren datiert und fan­den sich bei Mauer in Hei­del­berg. Der im Jahre 1907 vom Sand­gräber Daniel Hart­mann gefun­dene Unterkiefer ist gle­ichzeitig der älteste Fund eines Men­schen auf dem europäis­chen Kon­ti­nent. Zu jener Zeit waren die ältesten Men­schen­funde auf der Insel Java in Indone­sien gefun­den wor­den und man rech­nete den Unterkiefer noch zu einer eigen­ständi­gen Men­schenart, dem Homo hei­del­ber­gen­sis. Inzwis­chen ist aber belegt, dass es sich dabei um einen recht frühen Vertreter des Homo erec­tus han­delt. Zu jener Zeit wurde von der Wis­senschaft noch ver­sucht einen Unter­schied zu den Hominiden­fun­den im asi­atis­chen Raum herzustellen. Inzwis­chen deuten ver­schiedene The­o­rien jedoch darauf hin, dass sich die Gat­tung von Afrika aus nach Ost– und Südostasien hin verbreitete.

Wandel in der Werkzeugtechnik

Homo Erec­tus bedeutet aus dem lateinis­chen über­setzt »Aufrechter Men­sch«. Er hatte ein unge­fähres Hirn­vol­u­men von etwa 800 bis 1250 Kubikzen­time­tern und vere­inte viele Merk­male in sich, die wir heute beim mod­er­nen Men­schen finden kön­nen. Sein Hirn­vol­u­men war um einiges größer als das des Homo Habilis und er besaß eine durch­schnit­tliche Kör­per­größe von etwa 1,50 Metern. Eini­gen Forsch­ern zufolge entwick­elte Homo Erec­tus die ersten Klei­dungsstücke mit dem Ziel sich vor Stichen von Insek­ten zu schützen. Auch wird ihm nachge­sagt entschei­dende Inno­va­tio­nen beim Her­stellen von Werkzeu­gen in Gang gebracht zu haben indem er den Faustkeil entwick­elte und um etwa 500 000 v. Chr. den Umgang mit dem Feuer erlernte.

Als erste Men­schen­spezies über­haupt soll Erec­tus auch einen Sinn für Schön­heit und Ästhetik entwick­elt haben. Damit ein­her geht auch das Abstrakte und das Sym­bol­is­che und einige Wis­senschaftler sehen darin auch ein erstes Streben nach Reli­giosität in Betracht.

Homo Erectus
Bild 1: Die Schädeldecke ist bei Homo erec­tus sehr flach und niedrig. Der Kopf ist dage­gen länglich ausgelegt.

Der Men­sch ist eine sehr vari­able Art, welche jedoch kein­er­lei Vari­ablen (im Sinne von einzel­nen Unter­arten) aus­ge­bildet hat und sich, abge­se­hen von eini­gen weni­gen Aus­nah­men wie den Rat­ten oder Hun­den, weiter über die Erde ver­bre­itet als jede andere Spezies. Und ger­ade weil der Men­sch so viele unter­schiedliche Leben­sräume bewohnt, hat er sich auf unter­schiedliche Weise an diese Habi­tate angepasst. Unter­schiede beste­hen in der Haut­farbe auf­grund der unter­schiedlich starken Son­nen­strahlung sowie Unter­schiede in der Länge der Glied­maßen, je nach­dem ob wir in der Hitze oder in der Kälte leben. Dadurch wird die Ent­fer­nung selbst zu einem Iso­la­tions­fak­tor: Pop­u­la­tio­nen, die weit voneinan­der ent­fernt leben teilen weniger Gemein­samkeiten als jene Pop­u­la­tio­nen, die in geo­graphis­cher Nähe zueinan­der existieren.

Bild 1: David H. Koch Hall of Human Ori­gins at the Smith­son­ian Nat­ural His­tory Museum (von Ryan Somma)

Mano Korsanke Verfasst von:

Mano Korsanke ist Student der Kultur- und Sozialanthropologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und Betreiber dieses Magazins. Dabei reichen seine Interessen für dieses Fach von Religion bis hin zu Politik.

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