Die ‘East Side Gallery’ in Mumbai

Proteste und Visionen

Während sich in der deutschen Haupt­stadt die Denkmalschützer und reichen Inve­storen weiter darüber stre­iten, wie weit der Abriss der Berliner East Side Gallery vor­angetrieben wer­den darf, besuchte ich den indis­chen Ableger in Mum­bai. Abgele­gen und schein­bar halb vergessen erstreckt sich das mehrere Kilo­me­ter lange Stück Mauer an den Gleisen der städtis­chen Eisen­bahn­linie. Ich laufe vor­bei an den Obdachlosen, welche an der Mauer ihre pro­vi­sorischen Hüt­ten errichtet haben, lehne es ab den bun­ten Plas­tikram­sch zu kaufen, der mir ange­boten wird und stoße auf eine Seite von Mum­bai die ich sonst noch nicht gefun­den habe: Visio­nen einer alter­na­tiven Kun­st­szene in Indien. Wun­schdenken mis­cht sich dort mit bunt geze­ich­netem Protest und die inzwis­chen an vie­len Stellen mar­o­dierte Mauer bietet auch den Ideen eine Stimme, welche im religiös ver­wor­re­nen Indien sonst unterge­hen. Forderun­gen nach Frauen­rechten, stärk­erem Umweltschutz und all­ge­meinem Paz­i­fis­mus finden sich hier Stein an Stein.

Angetrieben vom deutschen Vor­bild waren es wohl alter­na­tive Kün­stler, welche in den 1990er Jahren damit began­nen erste Teile der Mauer zu bemalen. Genauere Angaben dieser Geschichte  sind nur schwer zu bekom­men, da die Bilder anonym sind und keinen Rückschluss auf bes­timmte Kün­st­lerIn­nen zulassen. Anders als in Berlin ist die East Side Gallery von Mum­bai nicht auf einer his­torisch präg­nan­ten Mauer gemalt, ist auch keine Touris­te­nat­trak­tion, welche jährlich hun­dert­tausende Besucher anzieht und doch ist das Gefühl, welches ich beim Betra­chten der stein­er­nen Bilder ver­spüre selt­sam ver­traut. Auch wenn es sen­ti­men­tal klin­gen mag, so kann ich doch nicht drumherum zu sagen, dass so etwas wie der selbe Geist an bei­den Orten zu wohnen scheint.

East Side Gallery (1)

East Side Gallery Mumbai

East Side Gallery Mumbai

East Side Gallery Mumbai

Stadt der Träume oder lebendiger Moloch

Viele der Bilder zeigen Mum­bai als eine Stadt, in welcher Träume wahr wer­den und wo das Leben lohnenswert ist. Bunt erscheint die Stadt auf diesen Bildern und ich fühle mich irgend­wie doch ein wenig an die Zeich­nun­gen von Kindern erin­nert. Tech­nik wird hier wie in Abbil­dung 3 als etwas Gutes begrif­fen und es wer­den in erster Linie die dadurch entste­hen­den Möglichkeiten in den Vorder­grund gerückt. Ger­ade in diesem Werk zeigt sich, welcher Stolz mit den Trans­port­möglichkeiten in der Stadt ver­bun­den ist.

Mumbai East Side Gallery

East Side Gallery Mumbai

East Side Gallery Mumbai

East Side Gallery Mumbai

Mano Korsanke Verfasst von:

Mano Korsanke ist Student der Kultur- und Sozialanthropologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und Betreiber dieses Magazins. Dabei reichen seine Interessen für dieses Fach von Religion bis hin zu Politik.