Kris- und Barong Tanz auf Bali in Indonesien

Der traditionelle Kris und Barong-Tanz auf Bali

Der traditionelle Kris und Barong-Tanz auf Bali

Ein Tanz ist nicht einfach nur ein Tanz

Zu dem Pflichtprogramm einer/eines jeden Bali-Reisenden gehört ohne jeden Zweifel der Besuch einer der weltweit so berühmten Tanzveranstaltungen, die auch in allen größeren Touristenorten angeboten werden. Beim Betrachten der manchmal ziemlich derben ‚Slapstick-Komik‘ mag es schwerfallen sich daran zu erinnern, dass die Wurzeln einiger Tänze manchmal noch weiter als in die Zeit zurückreichen, in der der Hinduismus auf Bali noch nicht Fuß gefasst hatte. Die Religion der Balinesen ist zwar dem Wort nach Hinduistisch, trägt aber auch viele Züge des Animismus in sich. Die heiligen Tänze fanden deshalb ursprünglich als Verehrung der Götter statt und soll(t)en die übernatürlichen Mächte gewogen stimmen. Das sich die Tempeltänze von den Touristentänzen unterscheiden mag jedem verständlich sein. Aber wo genau liegen die Unterschiede und wie lassen sich einzelne Tänze vom Betrachter exakt einordnen? 

Welche Unterschiede gibt es in den Tänzen?

So unterteilt man die Aufführungen in drei unterschiedliche Kategorien. Diese richten sich danach, für wen die Vorstellung bestimmt ist bzw. nach dem Grad der Verweltlichung.

Wali-Tänze finden nur im Tempelinneren bei wichtigen Ritualen statt. Manchmal auch auf Friedhöfen oder bei der Verbrennung von Verstorbenen. Sie bieten den Gläubigen eine Möglichkeit durch das Tanzen in einen Trancezustand zu kommen und so recht direkt mit den Göttern zu kommunizieren zu können.
– Tänze welche unter die zweite Kategorie fallen nennen sich Bebali und werden an den Höfen des Adels oder im Vorraum der Tempel aufgeführt.
– Unter die dritte Einordnung Balih-Balihan fallen all jene Aufführungen, welche sich nicht mit den ersten beiden in Einklang bringen lassen. Also all diejenigen, welche für das weltliche Publikum gedacht sind.

Auch unter den Balinesen ist man sich nicht ganz einig, wie man die Vorführungen, welche inzwischen nicht mehr aus traditionellen Gründen in einem Tempel abgehalten, sondern für doch sehr weltliches Geld den Touristen aus aller Herren Ländern vorgespielt werden, denn nun eigentlich zu beurteilen hat. Fest steht allerdings, dass der Kris und Barong Tanz, welcher hier analysiert werden soll, von den alten religiösen Aufführungen entlehnt ist und die Kostüme sowie Teile der Handlung (wenn auch modifiziert) auf uralten balinesischen Mythen basieren.

Kris ist die Bezeichnung für ein rituelles Schwert, welches in Bali von Generation zu Generation weitervererbt wurde und spielt im balinesischen Mythos häufig eine entscheidende Rolle. Die Form des Schwertes ist in etwa mit einem Dolch oder einem Kurzschwert zu vergleichen.

Der Barong als mysthisches Tier

Der Barong ist ein mythisches Tier in der Gestalt eines Löwen, Tigers oder Wildschweins. Er besitzt eine drachenähnliche Gestalt und verkörpert die Mächte der Natur. Er ist der Geist des Waldes und der Beschützer der balinesischen Dorfgemeinschaften (vgl. Alves 2013, 360).

Der Tanz erzählt die Geschichte vom Kampf zwischen Gut und Böse. Dem nie endenden Konflikt zwischen beiden Mächten, der in der balinesischen Kultur mit einer Art von Equilibirum umschrieben wird, welches es zu erreichen/erhalten/schützen gilt. Eine möglichst ausgewogene Balance zwischen Schwarz und Weiß welche sich durch das gesamte alltägliche Leben der Menschen auf Bali zu ziehen scheint.

Literatur:

Alves, William (2013/2006): Music of the Peoples of the World. Boston: Cengage Learning. S. 360.

Burton, Deena (2009): Sitting at the Feet of Gurus: The life and Dance Ethnography of Claire Holt. Xlibris.

Eiseman, Fred B. (2013): Bali: Sekala & Niskala: Essays on Religion, Ritual, and Art. North Clarendon: Tuttle Publishing.

Walter Spies & Beryl de Zoete (2002/1938): Dance & Drama in Bali. North Clarendon: Tuttle Publishing.

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