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Rhetorik als Mittel der Sprache und der Verständigung

5 tipps für bessere Rhetorik

5 tipps für bessere Rhetorik

Bereits vor über 2000 Jahren beschäftigten sich die alten Griechen mit der Macht der Redekunst. Der berühmte Philosoph und Naturwissenschaftler Aristoteles prägte den Begriff der Rhetorik wie kein anderer nach ihm. Seine Weisheiten haben bis heute ihre Gültigkeit behalten und lassen sich auch auf moderne Gebiete der Rhetorik anwenden.

Heute, in Zeiten des digitalen Wandels, bekommen soft skills wie Rhetorik eine immer wichtigere Bedeutung. Wer lernen will mit Redekunst zu überzeugen sollte einen Blick auf die folgenden 5 Tipps für bessere Rhetorik werfen.

Rhetorik Tipp #1:
Rhetorik lebt von Glaubwürdigkeit

Die Frage warum wir einige Menschen während einer Rede überzeugender finden als andere lässt sich mit Glaubwürdigkeit beantworten. Nach Aristoteles gibt es vor allem zwei Eigenschaften, welche unser Vertrauen in einen Redner stärken: Kompetenz und Authentizität. 

Bereits am Anfang deiner Rede solltest du die Zuhörer deshalb davon überzeugen, dass du die richtigen Fähigkeiten für den Vortrag mit bringst. Ein Experte ist bei dem Publikum höher angesehen als ein Laie, welcher sich nur kurz und nebenbei mit der Thematik beschäftigt hat. Hier kannst du zum Beispiel auf deine Ausbildung, bisherige Erfahrungen auf dem Gebiet oder Empfehlungen durch andere ExpertInnen bzw. Instanzen verweisen. 

Zu den typischen Anfängerfehlern gehört die eigene Glaubwürdigkeit oder Kompetenz nicht gut genug zu untermauern oder sogar zu schädigen. Sätze wie „Entschuldigen Sie bitte die Qualität meiner Power Point Präsentation“ oder die Bitte um Nachsicht für eine minderwertige Qualität des Vortrags sind damit ein absolutes Tabu und sollten vermieden werden.

Ein Redner muss jedoch gar nicht vollkommen sondern Aufrichtig sein. Deine Authentizität ist neben deiner Kompetenz die zweite Säule auf der deine Glaubwürdigkeit fußt. Als negatives Beispiel kann hier der Vorgesetzte genannt werden, welcher dringende und ungelöste Konflikte nicht offen anspricht. Bei den anderen Menschen führt das Verhalten dann unweigerlich zu Unruhe, da fehlende Informationen automatisch zu Gerüchten führen und die Unsicherheit verstärkt wird. Ein Chef, welcher alle Karten offen auf den Tisch legt, wird dagegen als Glaubwürdig angesehen.

authentizität

Rhetorik Tipp #2:
Finde deine Rederolle

Bereits Aristoteles unterschied zwischen drei unterschiedlichen Kategorien von RednerInnen: Mentor, Muse oder Macher. Ein guter Redner sollte sich je nach Anlass der Rede Gedanken machen, was er mit seinen Worten eigentlich bezwecken will.

In einer Beratungsrede tritt der Redner als Mentor auf, welcher den Zuhörern zustimmt, sie ermutigt und davon überzeugt, dass sie das Richtige tun. Als eines der berühmtesten Beispiele kann hier die Rede von John F. Kennedy an der Berliner Mauer gelten in welcher er die Westdeutschen zum Durchhalten in der schwierigen politischen Situation auffordert. 

Ist das Ziel der Rede eine Festrede so sollte der Redner als Muse auftreten um die Zuhörer zu inspirieren und emotional zu berühren. Martin Luther King’s Rede „I have a dream“ schaffte es durch die persönlichen Anekdoten aus seiner eigenen Familie, die Menschen zu einem Denken zu inspirieren, welches über die damals etablierten Vorstellungen von Rasse hinausging. 

Beim letzten Typus handelt es sich um die Gerichtsrede. Der Redner positioniert sich hierbei als Macher, welcher Informationen übermittelt und auch Motivation und Überzeugung ins Spiel bringt. Dabei steht neben der Vermittlung von Informationen auch im Vordergrund, wie dieses Wissen interpretiert werden soll und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. In der in die Geschichtsbücher eingegangen Gettysburg-Ansprache zur Einweihung eines Friedhofes rief Abraham Lincoln im gleichen Atemzug auch zur Abschaffung der Sklaverei auf. 

Tipp: Vor deiner Rede solltest du dich auf die Ausarbeitung von maximal drei Absichten festlegen. Hierbei kannst du zwar Absichten aus den drei Typen mischen. Ein Redner welcher mehr als drei verschiedene kommunikatorische Ziele festlegt ist dem Risiko ausgesetzt am Ende dann keines seiner Ziele zu erreichen.

Rhetorik als Mittel der Sprache und der Verständigung

Rhetorik Tipp #3:
Verleihe deiner Rede einen Sinn

Der Erfolg einer Rede ist unmittelbar mit dem Wert für das Publikum verknüpft. Deshalb solltest du dir im Vorfeld ganz genau überlegen was das Publikum aus deiner Präsentation mitnehmen soll. Berücksichtige dabei auch, aus welchen Personen das Publikum besteht und was es von dir erwartet. Für eine Rede, die du auf Anweisung eines Vorgesetzten in einem Seminar hältst sollten Motivation und Überzeugung eine zentrale Rolle spielen. Wenn das Publikum für deinen Vortrag bereits Eintrittsgeld bezahlt hat muss es wahrscheinlich nicht mehr motiviert werden.

Fasse die Absichten und Kernaussagen deines Vortrags kurz zusammen. Hierbei gilt: Je eindeutiger und deutlicher du deine Kernpunkte zusammenfassen kannst desto leichter wird es für dein Publikum sein diese nachzuvollziehen und deiner Argumentation zu folgen. Achtung: Achte darauf, dass die Ziele deiner Rede realistischer Natur sind denn nichts ist frustrierender als zu hoch gesteckte Ziele.

Anfang und Ende der Rede sollten zuerst geplant werden. Von hier aus kannst du die beiden Punkte wie mit einem roten Faden verknüpfen. Der Anfang und das Ende einer Rede sind auch jene Momente, welche dem Publikum am besten in Erinnerung bleiben. Deshalb zahlt sich besondere Sorgfalt hier aus.

Beachte auch, ob dein Vortrag angekündigt wird. Falls ja solltest du dich mit dem Moderator abstimmen und die Einleitung zu deinem Auftritt am besten selbst schreiben. Häufig sind Veranstalter in Zeitnot.

Sinn-puprose

Rhetorik Tipp #4:
Verbinde Logik und Emotion

Wie in Punkt 1 festgestellt ist Glaubwürdigkeit das tragende Fundament deiner Rede. Sie sichert dir die Aufmerksamkeit deines Publikums. Um Menschen von etwas zu überzeugen braucht es jedoch auch gute und stichhaltige Argumente.

Zuerst einmal solltest du deine Kernaussagen mit sachlichen Argumenten festigen. Je klarer und nachvollziehbarer deine Schlussfolgerungen sind desto fester ist die Basis für die zusätzlichen rhetorischen Mittel. Aristoteles schlägt vor mit logischen Schlüssen zu arbeiten die wie folgt aufgebaut sind: 1.) Alle Tiere sind sterblich. 2.) Alle Füchse sind Tiere. 3.) Alle Füchse sind sterblich. 

Um deine Argumentation zu untermauern solltest du möglichst auf Zitate von Experten, Statistiken, Referenzen und andere wasserdichte Quellen zurückgreifen. 

In zweiten Schritt kannst du deine Argumentation mit positiven oder negativen  Emotionen aufladen. Hierbei sind zwei Gefühlsregungen zu nennen, welche sich besonders gut zur Verstärkung von Argumenten eignen.

Bei der Aversion (Abwendung) können beispielsweise durch eine Anekdote oder Fakten zuerst negative Gefühle beim Publikum ausgelöst werden, welche dann durch eine realistische Lösung aufgeweicht werden. Der Chef einer Fluglinie kann so zuerst auf die sinkenden Fluggastzahlen hinweisen um dann die Werbestrategie des Unternehmens anzusprechen.

Auf der anderen Seite lässt sich auch der Hinweis auf positive Effekte gut als Fundament für überzeugende Gefühlsargumente benutzen. Ein Redner kann so zuerst an die Appetenz des Publikums appellieren um deine Beschreibung zu beginnen.

Tipp: Die größte Wirkung entfaltet eine eine Rede, welche mit der Aversion begonnen wird und bewusst die Appetenz hineingeleitet wird.

Rhetorik Tipp #5:
Nutze lebendige Sprache

Ein einfaches aber sehr effektives Stilmittel ist die Alliteration. Hierbei verwendest du Wörter die mit dem selben Buchstaben anfangen. Bei deinem Publikum werden solche Konstrukte leichter im Kopf bleiben und unbewusst positive Emotionen auslösen.

Beim Kyklos hingegen beendest du Sätze so, wie du sie begonnen hast. Wie es der Name schon andeutet, hat der Zuhörer dabei das Gefühl, dass sich ein rhetorischer Kreis für ihn schließt und er kann dem erzählten Inhalt leichter folgen.

Als Faustregel für eine lebendige Sprache gilt: Je mehr Sinnesorgane du mit deiner Rhetorik ansprichst, desto emotionaler, bunter und näher wird dein Vortrag wahrgenommen. Unser Gehirn ist so gestrickt, dass bereits das akustische Signal ausreichend ist um die damit verbundenen Areale im Gehirn zu aktivieren. Inzwischen sind die meisten Redner bereits dazu übergegangen die visuellen Sinne durch Power Point Präsentationen oder Filmclips und Handouts anzusprechen. Ein guter Rhetoriker lässt es dabei jedoch nicht bewenden und versucht durch die Anwendung von lebendiger Sprache möglichst viele Reize zu setzen.